Donnerstag, 19. April 2012

Schattenblüte: Die Verborgenen von Nora Melling



Autor: Melling, Nora
Titel: Schattenblüte: Die Verborgenen
Originaltitel: ---
Verlag: Rohwolt Polaris
Erschienen: 01. November 2010
ISBN-10: 3862520005
ISBN-13: 9783862520008
Seiten: 348
Einband: Gebunden
Serie: Schattenblüte Bnd.1

Bnd.2 - Die Wächter

Inhalt

Luisa hat es satt. Sie hat Berlin satt, sie hat ihre Eltern satt und sie hat vor allem ihr Leben satt. An ihrem 17. Geburtstag beschließt sie, dass es besser wäre einen Schlussstrich zu ziehen. Seit dem Tod ihres kleinen Bruders läuft alles verkehrt. Um dem zu entfliehen klettert sie auf einen Turm im Grunewald. Sie klettert auf die Brüstung, schließt die Augen und breitet die Arme aus .... und plötzlich ist da eine Hand. Sie gehört zu einem ungewöhnlichen Jungen. Er ist so anders, dass sie sich ohne Widerstand von der Brüstung zurück ins Leben ziehen lässt. Doch so schnell, wie er gekommen ist verschwindet er auch wieder, nur seinen Namen hat er ihr verraten: Thursen.
Sie kann ihn einfach nicht vergessen und so macht sie sich auf die Suche nach ihm. Schnell wird sie auch fündig, doch er ist nicht, was sie erwartet hatte. Das Leben ist zwar immer noch schwer zu ertragen, aber an seiner Seite fühlt sie sich besser.
Doch das Geheimnis, dass Thursen umgibt, könnte alles zerstören. Immer wieder wird Luisa an den Rand ihrer Grenzen geführt ... und es fehlt nicht viel, dass sie in den Abgrund stürzt ...

video


Leseprobe

Das einzig Gute an Berlin ist, dass man untertauchen kann. Zuerst habe ich es im Tiergarten versucht: ein riesiger Park, aber trotzdem noch zu eng. Im Tegeler Forst gibt es zu viele Wanderwege. Auch da trifft man immerzu Menschen. Wenn man für sich sein muss, ist der Grunewald am besten.
Ich nehme die S-Bahn. Am Bahnhof winde ich mich zwischen den Leuten hindurch zum Hinterausgang, gehe unter ersten Bäumen die schmale Straße entlang. Nach der Ampel habe ich endlich Tannennadeln unter den Füßen. Die Autos können mir auf dem Wanderweg nicht folgen.
Regnerisches Wetter heute, das die Spaziergänger fernhält. Meine Turnschuhe traben wie Tierpfoten über die feuchte Walderde. Es tropft von den Zweigen in meinen Nacken, ich ziehe den Kopf ein. Vielleicht gehe ich nie mehr zurück in die Stadt. Nie mehr nach Hause. Nie mehr in die Schule. Vielleicht bleibe ich hier, im Wald, verschmelze mit den Bäumen. Dann gäbe es keine Fragen mehr. Keine gelogenen Antworten. Kein geheucheltes «Oh, es gefällt mir hier». Die Wahrheit ist: Berlin ist zum Kotzen. Zu laut, zu grell.


Meine Meinung

Die Verborgenen ist der erste Band der Schattenblüten-Serie. Ein Auftakt, der sich nicht zu verstecken braucht. Nora Melling hat in ihrem Werk das Thema Werwolf aufgegriffen und ihm eine neue Note verliehen. Sie sind keine blutrünstigen Bestien, verwandeln sich nicht nur bei Nacht und ihr Ursprung bleibt ungeklärt. Der Leser erfährt nur, wie die neuen Wölfe ins Rudel aufgenommen werden und was letztendlich aus ihnen wird. Doch wo die Wölfe genau hergekommen sind wird nicht geklärt. Man kann nur hoffen, dass in den folgenden Bänden mehr dazu erzählt wird.

Die Protagonistin Luisa ist mir zu Beginn sehr unsympathisch gewesen. Natürlich kann ich mich in ihre Lage hineinversetzen, denn wenn ich mir vorstelle einen meiner Brüder zu verlieren, dreht sich mir der Magen um. Doch sie und ihre Eltern sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie keinen freundlichen Eindruck auf mich machten. Nur langsam konnte ich mich mit ihr anfreunden, denn sie in Gegenwart von Thursen und im Laufe der Handlung veränderte sie sich zum positiven. Trotz allem bleibt sie für mich jedoch ein Charakter mit dem ich noch nicht so viel anfangen kann, wie ich gerne möchte.

Und dann haben wir da Thursen, den Leitwolf. Er ist für die Gruppe der Verborgenen verantwortlich. Und diesen Job macht er für sein Alter gar nicht schlecht. Als er Luisa sieht kann er nicht die Augen von ihr lassen. Als sie dann ihr Leben beenden will greift er ein und zieht sie damit widerwillig in seine Welt. Doch er weigert sich beständig, den letzten und einfachsten Schritt zu gehen ... nämlich Luisa ins Rudel aufzunehmen. Ich finde das eine ziemlich starke Reaktion. Auch lässt er sich seine vielen Probleme nicht anmerken, sondern lädt sich zusätzlich noch Luisa’s Probleme auf. Ein wirklich starker Charakter.

Das Wolfsrudel selbst ist eine bunte Mischung an Charakteren. Zum einen haben wir da die Wölfe, die alle auf ihre Art etwas einzigartiges ausstrahlen. Und dann sind da die Menschen. Karr, Sjöll und Norock. Sie alle verfügen über wesentliche Merkmale, die das Lesen zu einem Vergnügen gemacht haben. Man fühlte sich in ihrer Gegenwart wohl.

Die Handlung an sich war schon spannend geschrieben. Der Start geht wirklich ziemlich flott voran, was wohl vor allem auch der ungewöhnlichen Begegnung der beiden geschuldet ist. Aber dann driftet alles etwas ab und hat sich für meinen Geschmack etwas in die Länge gezogen. Erst ungefähr nach der Hälfte des Buches geht’s dann wieder los. Und zum Schluss überschlagen sich dann die Ereignisse. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Lesen mich gelangweilt hat, aber es hätte für meinen Geschmack schon etwas mehr Pfeffer dahinter sein können.

Luisa ist im ganzen Geschehen die Erzählerin und schildert uns direkt aus ihrer Sicht das Geschehen. Zwar kann man so ihre Gefühle und Gedanken genau verfolgen, doch reicht es nicht aus, mir alle ihre Beweggründe verständlich zu machen. Das fand ich sehr schade, denn an sich hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist locker und sehr gut zu lesen. Kein Fachchinesisch oder zu komplexe Sätze hindern den Leser daran, sich komplett in diese Welt zu verlieren. Die Schauplätze des Geschehens werden sehr bildhaft geschildert. Da ich selbst ein großer Liebhaber des Waldes bin hat es mich natürlich umso mehr gefreut, dass ein Großteil der Handlung im Wald spielte.

Das Cover ist sehr schön gestaltet. Den Großteil der Fläche nimmt eine schwarze Blüte ein, hinter der ein Mädchengesicht zu sehen ist. Die dunkle Farbe passt hervorragend zur ganzen Stimmung des Buches. Trauer und Schmerz werden so ganz klar charakterisiert. Besonders haben mir allerdings die erhabenen Tautröpfchen auf der Blüte gefallen, die das Cover zu etwas Besonderem machen. Und auch der Schriftzug Schattenblüte hat diese leichte Erhöhung. Bei den Kapitelanfängen wird die Blüte in Verbindung mit einem Greifvogel wieder aufgegriffen. Ein kleines Extra in der Gestaltung.




Alles in allem gut gelungen, mit ein paar kleineren Abstrichen. Trotzdem freue ich mich schon auf den 2. Band, den ich hoffentlich bald in den Händen halten werde.





Autorenportrait



Nora Melling wurde 1964 in Hamburg geboren. Schon als Kind liebte sie es, phantastische Geschichten zu erfinden. Doch erst einmal machte sie eine kaufmännische Ausbildung und zog zum Studium nach Berlin, bevor sie sich den Traum erfüllte, ihren ersten Roman zu schreiben. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin-Zehlendorf und geht oft im Grunewald spazieren, wo sich auch ihre Werwölfe tummeln. Zuvor erschien bei Polaris "Schattenblüte. Die Verborgenen".

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