Mittwoch, 25. April 2012

Koslow, Sally - Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben


Autor: Koslow, Sally
Titel: Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben
Originaltitel: The Late, Lamented Molly Marx
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Erschienen: 1. April 2011
ISBN-10: 3423212772
ISBN-13: 9783423212779
Seiten: 364
Einband: Taschenbuch
Serie: ---


Inhalt

Molly Marx ist 35, blond mit blauen Augen, verheiratet und hat eine Tochter. Doch das wichtigste – sie ist tot. Wie es passierte weiß sie nicht mehr. Doch es wird ihr mit einer Endgültigkeit klar gemacht, dass sie nichts mehr mit den Lebenden zu schaffen hat. Nur beobachten kann sie noch ... und das macht sie mit einer bewundernswerten Passion. Sie springt von einer Person zur anderen und nimmt so immerhin noch Anteil am Leben ihrer Liebsten. Und sie muss beobachten wie ihre Geheimnisse aufgedeckt werden ebenso wie sie die Geheimnisse der Verbliebenen aufdeckt. Immer wieder schweift sie in Erinnerungen ab und zeigt uns damit ihr ganzes Leben ....

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Leseprobe

So habe ich mir meine Beerdigung eigentlich nicht vorgestellt.Vor allem habe ich immer gedacht, dass ich alt ware, eine wurdevolle Neunzigjahrige, die verdientermasen als Dame bezeichnet wurde; eine hochbetagte Frau im trauten Kreis ihrer Lieben, die sich in Trauer vereint um ihren Sarg versammeln und zartlich Abschied von ihr nehmen.
Und ich habe naturlich gehofft, dass das alles in einem viel schoneren Rahmen stattfindet in einer Steinkapelle am Meer vielleicht, dessen purpurgraue Wogen tosend ans Ufer schlagen und das Schluchzen der Trauernden ubertonen. Aus unerfindlichen Grunden ich bin nicht mal Schottin erklingen wehklagende Dudelsackweisen, die Manner tragen das Schottenmuster des Campbell-Clans und entzuckend scheue Enkel, oder sogar Urenkel, sagen ruhrende kleine Gedichte auf.Woher die Kinder die roten Locken haben,weis ich nicht,mein Haar ist glatt und blond, dank den Segnungen der Chemie sogar hellblond. Die Hinterbliebenen unglaublich, dass diese verweinten altlichen Gestalten meine eigenen Kinder sein sollen tupfen sich mit Leinentaschentuchern die Tranen ab, obwohl sie sonst nur Papiertaschentucher benutzen.DerGottesdienst findet kurz vorSonnenuntergang statt, und die Luft ist erfullt von Fliederduft. Fruhling. Zumindest dort, wo ich aufgewachsen bin, am Stadtrand von Chicago, kundet der Flieder vom Fruhling:vom Ende eines  angenWinters,vom erneut aufbluhenden Leben.


Meine Meinung

Eigentlich ist der Tod ja ein ernstes Thema, das kann jeder verstehen, der schon mal einen Menschen verloren hat. Aber diese Geschichte um Molly Marx vereint die Trauer mit einem super Humor.

Das ganze Geschehen erlebt der Leser aus Sicht von Molly. Sie ist im Jenseits und muss sich erst mal mit den Regeln anfreunden. Am Anfang versucht sie noch ins Geschehen einzugreifen, doch es hilft nichts. Das Jenseits hat seine eigenen Regeln.
Immer wieder wechselt sie dabei zwischen der Gegenwart und ihren Erinnerungen hin und her. So bekommt der Leser einen sehr guten Überblick über Molly’s Leben und den Dingen, die nach ihrem Tod passieren. Nur die Umstände ihres Todes bleiben bis zum Schluss im Dunkeln.

Mit viel Humor wird dies alles geschildert. Da Molly auch Gedanken lesen kann bringt das immer wieder amüsante Szenen hervor. Deswegen ist es auf jeden Fall besser, dass man nicht alles weiß, was in den Köpfen der Menschen so vorgeht.

Dabei sieht man vor allem das Molly mitnichten die perfekte Protagonistin ist. Sie hat viele Fehler und viele liebenswerte Eigenschaften. Aber genau das macht sie mir sehr sympathisch.  Ich habe mit ihr gelitten und habe mich mit ihr gefreut. Als sie sich dann am Ende von ihrer Familie verabschiedet konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten.

Und auch alle anderen Charaktere sind wie im wahren Leben eine bunte Mischung. Da haben wir den untreuen Ehemann, die zickige Schwiegermutter, die beste Freundin, die Schwester und die liebenden Eltern um nur die wichtigsten zu nennen. Ihnen bei der Bewältigung ihrer Trauer und Probleme zuzusehen ist abwechslungsreich. Manchmal möchte man ihnen den Kopf abreißen und manchmal leidet oder freut man sich mit ihnen.

Hinzu kommt noch der flüssige Schreibstil, der dieses Buch zu einer schönen Lektüre auch für Zwischendurch macht. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen.

Das Cover ist im Comic-Stil gestaltet. Man sieht einen strahlend blauen Himmel der mit einigen kleinen Wölkchen durchsetzt ist. In den Wolken findet man den Titel des Buches. Das ganze ist wohl eine Anspielung auf die Ansicht, das die Menschen in den Himmel kommen. Auf einer der Wolken sieht man dann auch Molly liegen und auf die am unteren Rand dargestellte Stadt schauen. Sehr schön gemacht.


Ich habe es nicht bereut dieses Buch zu kaufen. Einfach mal was anderes.





Autorenportrait
 
 

Sally Koslow wurde in North Dakota geboren, studierte Englisch an der University of Wisconsin und hat für verschiedene Zeitschriften und Magazine gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Manhattan.

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