Donnerstag, 29. März 2012

Markus Zusak - Die Bücherdiebin


Autor: Zusak, Markus
Titel: Die Bücherdiebin
Originaltitel: The Book Thief
Verlag: blanvalet
Erschienen: 07. September 2009
ISBN-10: 3442373956
ISBN-13: 9783442373956
Seiten: 586
Einband: Taschenbuch
Serie: ---



Klappentext:

Im Alter von neun Jahren hat Liesel schon vieles verloren. Ihren Vater, einen Kommunisten. Ihre Mutter, die ständig krank war. Ihren Bruder Werner – auf der Fahrt nach Molching zu den Pflegeeltern. Als der Bruder stirbt, gerät sie um ersten Mal ins Blickfeld des Todes. Und sie stiehlt ihr erstes Buch – ein kleiner, aber folgenreicher Ausgleich für die erlittenen Verluste. Dann stiehlt sie weitere Bücher. Äpfel und Kartoffeln. Das Herz von Rudi. Das von Hans und Rosa Hubermann. Das von Max.
Und das des Todes.
Denn selbst der Tod hat ein Herz.


Leseprobe:

Zuerst die Farben.
Dann die Menschen.
So sehe ich die Welt normalerweise.
Ich versuche es zumindest.

Eine kurze Bemerkung am Rande
Ihr werdet sterben.

Ich bin nach Kräften bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen, aber die meisten Menschen haben einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen. Bitte glaubt mir: Ich kann wirklich fröhlich sein. Ich kann angenehm sein. Amüsant. Achtsam. Andächtig. Und das sind nur die Eigenschaften mit dem Buchstaben ~A~. Nur bitte verlangt nicht von mir, nett zu sein. Nett zu sein ist mir völlig fremd.

Zitate auf meiner Seite:
#2


Rezension:

Die junge Liesel ist mit ihrem Bruder und ihrer Mutter auf dem Weg nach Molching. Dort sollen die beiden Kinder von nun an bei Pflegeeltern, Hans und Rosa Hubermann,  leben. Doch bevor sie dort ankommen stirbt der kleine Werner und muss noch vor der Weiterfahrt beerdigt werden. Und dort stiehlt sie auch ihr erstes Buch.
In dieser Situation wird der Tod das erste Mal aufmerksam auf Liesel. Immer wieder läuft er ihr über den Weg und sieht so die ganze Geschichte der kleinen Liesel.
In Molching angekommen lebt sie sich recht schnell ein, eine andere Wahl hat sie ja auch nicht. Zusammen mit Rudi, dem Nachbarsjungen heckt sie so manche Unart aus.
Aber das Leben kann nicht nur aus glücklichen Stunden bestehen. Das Naziregime und der drohende Krieg verdunkeln immer wieder den Horizont.
Eines Tages steht der Jude Max Vandenburg vor der Tür der Hubermanns. Man muss ihn verstecken und weiter machen wie bisher. Als der Krieg näher rückt spitzen sich die Ereignisse zu. Und der Tod ist immer mit dabei ...
Das besondere des ganzen Buches besteht zum Teil eigentlich darin, das man die Geschichte aus der Sicht des Todes erzählt bekommt. Immer wieder lässt es sich der Tod nicht nehmen seine sicht der Dinge darzulegen. Dabei erfährt man allerdings nicht ob der Tod nun männlich oder weiblich ist. Er ist eine geheimnisvolle Gestalt, die der Geschichte das Leben einhaucht. Und schon da haben wir das erste Paradox, aus dem das ganze Buch besteht.
Immer wieder mischt der Autor Worte miteinander, die zusammen eigentlich gar nicht bestehen können. So lässt er Rosa Hubermann z.B. stille Musik spielen oder Hitler seine schönsten, hässlichsten Worte verbreiten. Und gerade das Macht wieder die Faszination des Buches aus. Der Autor verdeutlicht mit dieser Art der Beschreibung die Zerrissenheit der damaligen Zeit als das Naziregime seinen Zenit erreichte und schließlich der Krieg ausbrach. Diese Zeit ist eine Zeit der Tragik und doch erlebt Liesel in dieser Zeit sehr schöne Stunden.
Die Thematik des Todes wird auf wundersame Weise dem Leser näher gebracht. Sie wird nicht geschönt, denn die Unausweichlichkeit ist gewiss. Doch durch die Augen des Todes bekommt der Tod selbst eine gewisse Schönheit.
Und noch etwas wird uns durch diese Sichtweise verdeutlicht. Ist zu Beginn von den Konzentrationslagern und dem Schrecken des Todes noch nicht viel mehr zu erahnen, als dass es sie gibt, so lässt uns der Tod einen einzigartigen Blick darauf werfen und lenkt auch den Fokus darauf. Er verdeutlicht die Tragweite dessen, was zu dieser Zeit geschehen ist.
Für den Tod Wichtiges wird dabei auf besondere Art und Weise hervorgehoben, wie eine Art Anzeige direkt im fließenden Text. Manchmal bringt es einen zum Schmunzeln und manchmal auch zum Nachdenken.
Als weiteres kleines Highlight sind außerdem einige illustrierte Seiten im Buch zu finden. Das sind Bücher, die Liesel geschenkt bekommt. So bringt man dem Leser auch dieses Besondere in Liesels Leben noch näher.
Eins lässt der Tod jedoch ohne jeden Zweifel stehen. Das Ende ist gewiss. Manchmal lässt er uns bereits einen kleinen Blick auf das Ende werfen, doch das tut der Spannung keinen Abbruch. Man möchte einfach nur wissen, wie es dazu kommt und was alles zu diesem Ende führt.
Am Schluss bleibt man mit seinen Tränen allein zurück. Dieser tiefe Eindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Die vielen Schicksale, die hier vereint werden und einem gemeinsamen Ende entgegenstreben lassen einen selbst unbedeutend erscheinen.

Das Cover ist in hellem Ocker gestaltet mit der Textur von Stein oder Erde. Einzig ein junges Mädchen und der Tod zieren neben dem Namen des Autors und des Buches diese Seite. Beide sind in schwarz und weiß gehalten .... sehr passend zum Inhalt des Buches.
Die Gesamtheit des Buches macht es zu etwas Besonderem.





Dieses Buch ist eine kleine Kostbarkeit, die vor allem in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer weniger werden, den Fokus wieder auf die geschehenen Dinge richtet und uns daran erinnert, was in dieser Zeit geschehen ist. Es ist eine Kritik und gleichzeitig eine Mahnung, dass sich etwas derartiges nicht wiederholen sollte.




Autorenportrait:

Als Teenager las Markus Zusak am liebsten Hemingway und schwärmte für den Film "What's Eating Gilbert Grape", der auf einem Roman von Peter Hedges basiert. Seine Mutter erzählte oft, wie sie als Kind das Bombardement auf München erlebt hatte und mit ansehen musste, wie man jüdische Menschen ins KZ Dachau trieb. Daraus entstand bei Markus Zusak, geboren 1975, das dringende Bedürfnis zu schreiben. Mit 16 begann er damit. Mittlerweile gehört Zusak zu den renommiertesten Jugendbuchautoren der Welt. Seine Bücher "Der Joker" und "Die Bücherdiebin" sind preisgekrönte Bestseller, die nicht nur junge Leute berühren. Privat spielt der Familienvater Fußball, liebt Filme und nutzt seinen Wohnort Sydney auch als Möglichkeit zum Surfen (im Meer) - um ab und an dem Schreibtisch zu entfliehen.

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch eigentlich ziemlich schlecht. Der Inhalt ist natürlich super. Also die Geschichte und die Hintergründe, aber der Schreibstill war mir zu "erzählend". "Show don't tell" ist mir bei Büchern sehr wichtig.

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    1. Ich empfinde es im Normalfall auch so .... aber bei diesem Buch war es meiner Meinung nach genau richtig. Die erzählende Art und Weise hat das ganze für mich unterstützt. :)

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  2. Sehr schöne Rezi, die gleich noch mehr Lust auf das Buch macht. Überlege schon länger, ob es auf meine Wunschliste wandert oder nicht.

    Hab deinen Blog über Lovelybooks entdeckt und bin gleich mal Leser geworden. Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbei schaust.

    Liebe Grüße
    Petra

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    1. Vielen lieben Dank .... freu mich sehr über deinen Kommi.
      Bin auch bei dir Leserin geworden.
      LG Romy

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