Sonntag, 11. März 2012

Emma Donoghue - Raum



Autor: Donoghue, Emma
Titel: Raum
Originaltitel: Room
Verlag: Piper
Erschienen: August 2011
ISBN-10: 3492054668
ISBN-13: 9783492054669
Seiten: 416
Einband: Hardcover mit Schutzumschlag
Serie: ---


Klappentext:

Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein Oberlicht und ist zwölf Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen…


Rezension:

Jack ist ein 5-jähriger Junge mit 10 Fingern, 10 Zehen, 2 Augen und einer Nase und doch ist er kein normaler Junge, denn sein Zuhause ist „Raum“. Ca. 10 m² haben er und seine Ma zum Leben. Die beiden haben nur sehr wenige Dinge. Dazu gehören eine Dachluke, ein Bett, ein Schrank, ein Tisch, zehn Bücher, einen Fernseher, einen Herd, eine Toilette und ein „Frierer“.
Ihre Zeit verbringen sie mit viel Fantasie und versuchen aus der Situation das Beste zu machen.
Für Lebensmittel und die wichtigsten Dinge sorgt Old Nick, der Einzige Mensch, den Jack außer seiner Ma noch kennt. Für Jack ist Raum das einzige reale im Leben ... doch Ma weiß es besser. Sie versucht Jack zu erklären, das es noch ein anderes Leben gibt und das sie versuchen müssen, dorthin zu gelangen. Doch wie sollen sie an Old Nick vorbeikommen, der jedes Mal die Tür abschließt ...

Viele positive Rezensionen habe ich bereits lesen können ... und ich muss mich dieser Meinung anschließen. Das Thema, welches in „Raum“ behandelt wird, ist nicht leicht umzusetzen. Umso mehr war ich erstaunt, dass es Emma Donoghue so gut gelungen ist.
Erzählt wird die Geschichte des kleinen Jack, der gleichzeitig der Erzähler der Geschichte ist. Das ist sehr ungewöhnlich, denn er kann sich nicht richtig grammatikalisch ausdrücken und verwendet doch auf einzigartige Weise Begriffe, von denen selbst ich noch nichts gehört hatte. So dauerte es auch einige Zeit, bis ich mich mit dem Erzählstil anfreunden konnte, doch genau das lässt das Buch noch authentischer wirken. Die Gedankenwelt des kleinen Jack ist so verdreht zur Realität, das einem ganz schwummerig dabei wird. Alles, was außerhalb von Raum ist, ist Fernsehen. Seine Freunde sind Zeichentrickfiguren und eine kleine Maus, die seine Mutter schließlich aus Raum aussperrt, seine einzige Bezugsperson ist Ma. Er schläft meist mit seiner Ma im Bett und wird von ihr noch immer an die Brust gelegt. Und das größte Glück sind für ihn die „Sonntags-Guttis“, die sie von Old Nick bekommen. Und dies sind nur einige Beispiele dafür, wie verworren der kleine Geist des Jungen ist.
Erst nach und nach werden die Begebenheiten aufgedeckt, dass das Leben nicht so einfach in Raum ist. Ma und Jack sind vollkommen von den Zuwendungen von Old Nick abhängig. Zwar wird die Tatsache, dass Ma vergewaltigt wird, von Jack nicht beim Namen genannt, denn er kennst es ja nicht, doch erschließt sich dem Leser aus den Erzählungen sehr genau, dass es so ist.
Nach den ersten Kapiteln des Buches konnte ich auch lange Zeit nicht mehr weiter lesen. Zu beklemmend war für mich der Gedanke, in dieser Lage zu sein. Absolut unvorstellbar für jemanden, der klaustrophobisch veranlagt ist und dem die Wände beizeiten viel zu nahe kommen würden.
Schließlich habe ich das Buch wieder zur Hand genommen, denn nun wollte ich doch wissen, wie die Geschichte von Jack und seiner Ma ausgeht. Und sogleich stellte sich dieses Gefühl wieder ein, doch diesmal blieb ich dabei und bekämpfte meine innerlichen Gefühle.
Und es war das Beste, was ich machen konnte.
Im zweiten Teil wird dann Ma aktiv und plant die Flucht aus Raum. Für Jack ist dies eine Katastrophe, denn er kennt keine andere Welt. Nun müssen sich die beiden ganz neuen Problemen stellen. Der Junge muss nun mit einer stark veränderten Situation klar kommen und Ma muss ihrem Jungen dabei zur Seite stehen.
Weiter werde ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, denn die Gefahr ist zu groß, dass ich die Spannung mit zu viel Informationen nehme.
Das Cover ist sehr ungewöhnlich. Der Schutzumschlag ist weiß. Keine Bilder, Gesichter oder großflächigen Muster beeinträchtigen die Wirkung des Namens des Buches. Der Titel ist in einer Art Kinderschrift verfasst und jeder Buchstabe hat dabei eine andere Farbe. Dies ist der einzige Hinweis auf den Inhalt des Buches ... und doch finde ich es sehr gelungen.

Raum ist ein sehr neuartiges Buch, welches unbedingt gelesen werden sollte, denn es zeigt eine ganz andere Welt aus den Augen eines Fünfjährigen, so wie es noch nie geschehen ist.






Autorenportrait:

Emma Donoghue wurde 1969 als jüngstes von acht Kindern in Dublin geboren. Sie studierte in Dublin und Cambridge. Nach einem Aufenthalt in London zog sie 1998 nach Ontario in Kanada, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern lebt. Emma Donoghue ist Autorin zahlreicher Romane und Erzählungen. Die Übersetzungsrechte wurden in 29 Länder verkauft. 


Vielen Dank an den Piper-Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

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